Wie meistern Gründer die Rollen und Risiken einer Doppelgründung?
Artikelübersicht:
Wie entsteht eine tragfähige Business-Idee?
Was sind die grössten Gründungshürden für Startups?
Welche Risiken haben Gründerinnen und Gründer?
Ab wann lohnt sich für Gründungswillige Unterstützung bei Buchhaltung, Marketing & Co.?
Wie gelingt Gründerinnen und Gründer das Zeitmanagement bei verschiedenen Tätigkeiten?
Welches Mindset und welche Vorbereitung braucht man, um erfolgreich zu gründen?
Wie entsteht eine tragfähige Business-Idee?
exali: Wie kam es zur Idee von Smacado und zu Terra Luna?
Julia Bergles:
Die Idee zu Smacado war spontan. Ich wollte Lebensmittel entwickeln, die alltagstauglich, gesund und natürlich sind. Ohne typischen Industriekram wie Zucker, Stärke oder unnötige Zusatzstoffe. Gleichzeitig sollte alles so einfach wie möglich im Alltag funktionieren. Und ich wollte Menschen helfen, die – so wie ich – mit Unverträglichkeiten oder Verdauungsproblemen kämpfen.
Ich habe schon bei Smacado vom Logo bis zum Packaging alles selbst gestaltet und gemerkt, wie viel Freude es mir macht. Also dachte ich: Warum nicht ein zweites Standbein aufbauen, das wirklich zu meiner Kreativität passt? So entstand Terraluna. Ich habe gemerkt, wie viel Charakter meine Designs haben, wenn ich sie frei und ohne starre Regeln gestalte. Ich wollte ein Designstudio gründen, das persönlich, verspielt und künstlerisch ist, aber trotzdem professionell.
exali: Welche Werte oder Prinzipien begleiten dich seit dem ersten Tag?
Julia Bergles:
Ich möchte Spass an meiner Arbeit haben. Und genau das sollen die Menschen auch sehen. Für mich ist es wichtig, mit Leidenschaft, Neugier und echter Freude zu gestalten und zu entwickeln. Natürlich mache ich Fehler. Jeder, der ein Startup gründet, weiss, dass man am Anfang nie alles richtig machen kann. Aber genau das ist ein wichtiger Teil meines Prinzips:
Aus Fehlern lernen, weitergehen und nicht aufgeben. Ich habe schon viele Fehler gemacht, manche teuer, manche lehrreich. Aber jeder einzelne hat mich weitergebracht. Sie gehören zu meiner Reise genauso dazu wie meine Erfolge.
Und das wichtigste Prinzip von allem: Qualität vor Quantität. Bei mir entsteht alles handmade, mit Liebe zum Detail, echter Sorgfalt und dem Anspruch, etwas zu schaffen, das Wert hat.
Was sind die grössten Gründungshürden für Startups?
exali: Was waren die ersten grossen Hürden, die du überwinden musstest?
Julia Bergles:
Die erste grosse Hürde bei der Gründung gab es eigentlich nicht. Am Anfang lief vieles erstaunlich unkompliziert – von der Raumsuche bis zur Umsetzung meiner ersten Ideen. Meine Eltern haben mich unterstützt, vieles hat sich intuitiv gefügt und ich war motiviert, schnell ins Tun zu kommen.
Die wirkliche Herausforderung kam erst später: die kaufmännische Organisation und Buchhaltung. Ich war anfangs ziemlich nachlässig damit, weil ich es unterschätzt habe. Bis ich gemerkt habe: „So geht das nicht.“ Da musste ich reinwachsen, strukturierter werden und Verantwortung übernehmen.
Die zweite Hürde hat sich dann mit der Zeit aufgebaut: das Finanzielle. Ein Startup zu finanzieren, ohne grosse Rücklagen und ohne Sicherheit, ist schwer. Die Kosten steigen, man möchte wachsen, neue Produkte entwickeln, Marketing machen. Da wird das Geld plötzlich zur grössten Baustelle.
Beim Lösen dieser Herausforderungen haben meine Eltern mich massgeblich unterstützt, wofür ich sehr dankbar bin. Gleichzeitig habe ich einen Teilzeitjob, mit dessen Einkommen ich laufende Kosten selbst begleichen kann. Eine externe Finanzierung habe ich nicht in Anspruch genommen. Die Umsetzung erfolgte ausschliesslich durch die Unterstützung meiner Eltern und durch meine eigene Leistung.
Am Ende war meine grösste Herausforderung nicht der Start, sondern das Dranbleiben. Man muss mental extrem tough sein.
exali: Wie bist du mit schwierigen Momenten umgegangen?
Julia Bergles:
Ehrlicherweise: nicht immer gut. Ich reagiere sensibel, nehme Fehler schnell auf meine eigene Kappe und zweifle in schwierigen Phasen sehr stark an mir selbst. Wenn etwas nicht so läuft wie geplant, neige ich dazu, mich zurückzuziehen. Ich verkrieche mich, mache viel Sport und bestrafe mich unbewusst dafür, dass ich „nicht gut genug“ war. Das ist keine perfekte Strategie, aber es ist meine Realität, und ich wachse da Schritt für Schritt raus.
Trotzdem habe ich eine Eigenschaft, die mich bis heute trägt: Ich gebe nicht auf. Auch wenn es schwer ist, auch wenn ich das Gefühl habe, stehen zu bleiben. Ich mache immer weiter.
Welche Risiken haben Gründerinnen und Gründer?
exali: Als Gründerin oder Gründer trifft man viele Entscheidungen allein. Welche Risiken siehst du dabei allgemein, zum Beispiel organisatorisch, kommunikativ oder wirtschaftlich?
Julia Bergles:
Als Selbstständige treffe ich jeden Tag unzählige Entscheidungen. Grosse, kleine, spontane und langfristige. Und genau darin liegen sowohl meine grössten Chancen als auch meine grössten Risiken.
Risiko Nummer 1: Falsche Entscheidungen durch Schnelligkeit
Ich bin ein sehr intuitiver und schneller Mensch. Das bedeutet: Ich handle oft aus dem Bauch heraus, ich entscheide manchmal zu schnell oder ich denke nicht immer alles zu Ende. Dadurch habe ich schon viele Fehler gemacht, teilweise sehr teure. Ich habe Geld verplempert, falsche Mengen bestellt, Projekte begonnen, die keinen Sinn gemacht haben oder Entscheidungen getroffen, die ich heute anders treffen würde.
Aber: Jeder dieser Fehler war eine Lektion. Und viele davon werde ich garantiert nie wieder machen.
Risiko Nummer 2: Fehlende organisatorische Struktur
Wenn man alles gleichzeitig macht – Produktion, Social Media, Design, Einkauf, Verkauf, Versand – dann ist es logisch, dass nicht alles perfekt durchorganisiert sein kann.
Risiko Nummer 3: Wirtschaftliche Unsicherheit
Wirtschaftlich ist die Selbstständigkeit immer ein Risiko:
- unregelmässige Einnahmen
- hohe Materialkosten
- Fehlinvestitionen
- Produktionen vorfinanzieren müssen
- Lieferverzögerungen oder Ausfälle
Jede wirtschaftliche Fehlentscheidung spürt man direkt und persönlich.
Risiko Nummer 4: Entscheidungen komplett alleine tragen zu müssen
Das ist emotional eines der schwersten Dinge. Ich habe oft niemanden, mit dem ich in dem Moment eine Entscheidung absprechen kann. Manchmal fehlt genau diese zweite Meinung. Und dann entsteht Unsicherheit. Zum Glück habe ich aber inzwischen ein paar Menschen, mit denen ich mich austauschen kann. Das hilft mir enorm.
Trotzdem: Die letzte Entscheidung treffe immer ich. Und die Verantwortung trage ich auch ebenso.
exali: Was hat dir geholfen, typische Stolperfallen zu vermeiden?
Julia Bergles:
Ganz ehrlich? Ich habe typische Stolperfallen nicht vermieden, weil ich sie vorher kannte, sondern weil ich sie erst erleben musste, um überhaupt zu wissen, dass es Stolperfallen sind. Ich bin ein klassischer learning by doing-Mensch. Und viele Dinge lernt man als Gründerin nicht aus Büchern oder YouTube. Sondern aus echten Fehlern, Nervenzusammenbrüchen und Momenten, in denen man denkt: „Okay…das mache ich NIE wieder so.“
exali: Hast du irgendwelche Massnahmen ergriffen, um dein Business abzusichern?
Julia Bergles:
Zur Absicherung meiner unternehmerischen Tätigkeit habe ich entsprechende Versicherungen abgeschlossen, um mögliche Risiken zu minimieren. Zusätzlich lege ich grossen Wert auf präventive Massnahmen im Bereich Qualität und Sicherheit. Dazu zählen regelmässige Kontrollen meiner Produkte sowie eine sorgfältige Überprüfung der verwendeten Rohstoffe.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Einhaltung strenger Hygienemassnahmen. Bei der Arbeit achte ich konsequent auf Sauberkeit und Hygiene, beispielsweise durch das Tragen von Handschuhen und Haarnetzen. Die Qualität meiner Produkte steht dabei immer im Vordergrund. Ausserdem habe ich klare Abläufe zur Kontrolle der Mindesthaltbarkeitsdaten etabliert. Diese werden überprüft, in mein System eingetragen und entsprechend gefiltert, sodass ich jederzeit sicherstellen kann, dass ich ausschliesslich frische und einwandfreie Produkte anbiete.
Viele Gründerinnen und Gründer starten wie Julia. Dabei ist ihr Risiko zweigeteilt: Für die Herstellung von Lebensmitteln sind in der Regel spezielle Versicherungslösungen erforderlich, die über klassische Dienstleistungsabsicherungen hinausgehen.
Für ihre Arbeit als Designerin und Coach hingegen schützt sie eine Berufshaftpflicht. Das Besondere bei exali: Durch die offene Berufsbilddeckung können ihre kreativen und beratenden Dienstleistungen über einen Vertrag abgesichert werden. Das gilt auch dann, wenn sich das Leistungsspektrum erweitert.
Ab wann lohnt sich für Gründungswillige Unterstützung bei Buchhaltung, Marketing & Co.?
exali: Wo lohnt es sich aus deiner Sicht, früh auf Unterstützung zu setzen?
Julia Bergles:
Viele Gründerinnen und Gründer glauben, sie müssen alles selbst schaffen. Aber das stimmt nicht. Unterstützung ist kein Luxus, sondern oft notwendig.
Eine geordnete Buchhaltung ist das A und O. Wenn das Chaos ist, ist das ganze Unternehmen Chaos. Auch Branding ist ein wichtiger Punkt, wenn man es nicht selbst gut kann. Denn ein gutes Branding spart langfristig unglaublich viel Zeit und Geld.
Und zuletzt: Kommunikation. Sowohl intern als auch extern. Du musst fähig sein, Menschen abholen können. Du musst dein Geschäft erklären können und verkörpern, was du tust.
Wenn man die finanziellen Mittel hat, sollte man sich in diesen Bereichen frühzeitig Unterstützung suchen.
exali: Was würdest du heute anders machen als am Anfang?
Julia Bergles:
Ich würde erst starten, wenn ich genügend Kapital habe. Denn ich habe mit zu wenig Budget begonnen. Und heute merke ich:
- ohne Marketing geht nichts
- ohne Budget stockt das Wachstum
- ohne finanzielle Puffer lebt man dauerhaft im Stress
Marketing ist kein „nice to have“, sondern essenziell. Und wenn man es nicht einsetzen kann, weil das Geld fehlt, ist das extrem frustrierend und bremst alles aus.
Wie gelingt Gründerinnen und Gründer das Zeitmanagement bei verschiedenen Tätigkeiten?
exali: Onlineshop, Coaching, Design: Das sind rechtlich und operativ völlig unterschiedliche Welten. Wie deckst du dieses breite Spektrum ab, ohne den Überblick zu verlieren?
Julia Bergles:
Ich habe kein ausgeklügeltes System. Ich arbeite nach einem einfachen Prinzip: Ich habe eine To-Do-Liste. Und ich fange immer mit dem an, was gerade am schnellsten oder am logischsten geht. So baue ich Momentum auf, komme in den Flow und arbeite mich von Aufgabe zu Aufgabe vor. Es fühlt sich für mich natürlicher an, als alles strikt durchzuplanen.
Natürlich birgt das auch Risiken:
- dass man zu viele Aufgaben gleichzeitig macht
- dass man sich verrennt
- dass irgendwann die Qualität darunter leidet, wenn man sich verzettelt
- oder dass man sich selbst überfordert, ohne es zu merken
Ich versuche bewusst, mir für alles Zeit zu nehmen. Und nicht mehr alles gleichzeitig perfekt machen zu wollen.
Hintergrund: Nicht alles passt in einen Versicherungsvertrag
Julias Weg zeigt: Moderne Gründerinnen und Gründer sind oft in völlig unterschiedlichen Welten unterwegs. Während für die Lebensmittelproduktion von Smacado spezialisierte Sach- und Produkthaftpflichtlösungen erforderlich sein können, greift für ihr Designstudio Terra Luna die Expertise von exali.
Der exali-Vorteil: Für alle kreativen und beratenden Tätigkeiten bietet die offene Berufsbilddeckung Schutz. Das gilt auch, wenn sich das Dienstleistungs-Portfolio erweitert. So sind das Webdesign, das Coaching und die Mediengestaltung unter einem Dach sicher, während für Smacado eine separate Speziallösung sinnvoll ist.
exali: So viele Aufgaben so koordinieren birgt sicher Raum für Risiken. Welche Erfahrungen hast du bei deinen verschiedenen Tätigkeiten hier gemacht?
Julia Bergles:
Im Lebensmittelbereich ist jedes Detail ein Risiko. Und erst, wenn man selbst produziert, merkt man, wie viele Dinge schiefgehen können:
Ein Beispiel sind Waren, die ablaufen können. Wenn Lebensmittel verderben oder MHDs (Mindesthaltbarkeitsdaten) plötzlich doch kürzer sind als gedacht, bedeutet das sofort hohe Verluste. Als Startup tut das richtig weh. Auch Rohstoffe, die nicht der Qualität entsprechen, sind ein Problem. Ich hatte zum Beispiel schon eine komplette Lieferung Haselnüsse, die schlecht waren.
Das heisst:
- Ware reklamieren
- neue Lieferung organisieren
- Produkte, die damit produziert wurden, vorsorglich entsorgen
Das kostet Geld, Nerven und Zeit.
Dazu kommen Qualitätsrisiken in der Produktion. Denn Lebensmittelproduktion bedeutet viel Verantwortung. Und manchmal ist da die Angst: Was, wenn ein Fremdkörper reinkommt? Was, wenn etwas trotz grösster Sorgfalt qualitativ nicht passt? Diese Risiken trage ich als Gründerin komplett selbst.
Welches Mindset und welche Vorbereitung braucht man, um erfolgreich zu gründen?
exali: Was können andere Gründerinnen und Gründer aus deinem Weg lernen?
Julia Bergles:
Bleib dran, egal wie oft du zweifelst. Du wirst Rückschläge haben. Du wirst Fehler machen. Aber wenn du wirklich etwas willst, musst du lernen, trotzdem weiterzugehen. Dazu gehört auch, dass du andere von deiner Idee überzeugen kannst: Kundschaft, Partnerinnen und Partner, den Handel und Investoren. Wenn du selbst nicht an dich glaubst, tut es niemand.
Damit das gelingt: Informiere dich vorher gründlich. Vor allem über Finanzen, rechtliche Rahmenbedingungen und Marketing. Hätte ich am Anfang gewusst, was alles wirklich auf mich zukommt, hätte ich viele Fehler vermeiden können. Nicht alles, aber vieles. Sei tough und hab Ehrgeiz. Selbstständigkeit ist kein Hobby. Du brauchst Disziplin, Selbstüberzeugung, Ehrgeiz und Durchhaltevermögen. Ohne das wird es verdammt schwierig.
Julia Bergles ist eine 19-jährige Gründerin und leidenschaftliche Künstlerin aus Wehringen in Bayern. Mit ihrem Start-up Smacado hat sie nährstoffreiche, glutenfreie und industriezuckerfreie Backmischungen entwickelt – entstanden aus ihrer eigenen Geschichte voller Unverträglichkeiten und dem Wunsch, gesunde Ernährung endlich alltagstauglich zu machen.
Mit einem abgeschlossenen Fachabitur im Bereich Gestaltung und einer grossen Portion Kreativität gründete Julia ausserdem ihr zweites Herzensprojekt: Terraluna Design, ein kleines, individuelles Grafikdesign-Studio. Hier entwirft sie persönliche Logos, Etiketten, Flyer, Verpackungen und Social-Media-Designs – immer mit ihrer besonderen Handschrift, viel Gefühl und einem Hauch künstlerischer Verspieltheit.